22.01.2018
AEA-Studie

Keine "E-Monokultur" in der Zukunft erwartet

Mit Zukunftsthemen bei Mobilität und Verkehr beschäftigte sich eine Studie der Österreichischen Energieagentur (AEA). Conclusio: Bei einem Systemwandel spielen demnach neben den technologischen Entwicklungen auch soziale und ökonomische Aspekte eine zentrale Rolle.

"Bei der Technologie wird die Zukunft einen Mix an Antriebssystemen bringen, es wird keine 'E-Monokultur' erwartet. Mehr Einigkeit herrscht unter den Expertinnen und Experten bei selbstfahrenden Fahrzeugen, die für drei Viertel der Befragten bereits in zehn Jahren Realität sein werden – allerdings nicht flächendeckend", erläutert DI Peter Traupmann, Geschäftsführer Österreichische Energieagentur (AEA). Befragt wurden 123 Expertinnen und Experten.

Zwar werde derzeit die E-Mobilität stark gepusht, dennoch erwarten acht von zehn Befragten, dass im Personen- und Güterverkehr künftig verschiedene Energieträger zum Einsatz kommen. Im Bereich ab 3,5 Tonnen würden vorrangig Fahrzeuge mit Brennstoffzelle oder Wasserstoff das Straßenbild bestimmen. 75 % rechnen damit, dass öffentliche Standorte, an denen viele verschiedene Angebote von Verkehrsmitteln (Fahrrad, Carsharing, öffentlicher Verkehr, etc.) angeboten würden, mehr Bedeutung erlangen. Ebenfalls drei Viertel sehen "Mobility as a Service", das heißt den Ansatz, Mobilität als Dienstleistung anzubieten, als Alternative zum Besitz des eigenen Fahrzeugs. Die Zahlungsbereitschaft dafür ist allerdings gering – die Befragten würden diese auf gerade einmal 85 Euro pro Monat schätzen. Vier von fünf Expertinnen und Experten sind laut der Studie der Ansicht, dass ab 2030 Gebiete, in denen keine CO2-emittierenden Kraftfahrzeuge mehr unterwegs sein dürfen, zum Alltag in europäischen Städten gehören würden.

 

DI Monika Wanjek, Senior Expert Mobilität, Verkehr und Raumplanung, und AEA-Geschäftsführer DI Peter Traupmann
Bild: AEA  

 

Für das Thema autonomes Fahren sehen 73 % der Interviewten konkrete Anwendungsfelder bereits in zehn Jahren. "Vollautomatisierte Fahrzeuge werden etwa an Industriestandorten, Flughäfen oder auf Autobahnen unterwegs sein. U- und Eisenbahnen werden autonom fahren. Flächendeckendes selbstständiges Fahren im privaten Bereich wird in diesem Zeitraum jedoch nicht erwartet", erläutert DI Monika Wanjek, Senior Expert Mobilität, Verkehr und Raumplanung, Österreichische Energieagentur. Und auch der digitale Handel, sprich E-Commerce, werde das künftige Verkehrsgeschehen wesentlich beeinflussen. Für 92 % der Befragten würden dank E-Commerce zunehmend private Besorgungswege ersetzt, was diese wiederum um 40 % reduziere.

Obwohl der Einfluss von Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) im Verkehrssystem der Zukunft die wesentliche Rolle spielen werde, erwarten die Interviewten eine rosige Zukunft für bereits jetzt am Markt etablierte Unternehmen. 86 % sehen arrivierte Mobilitäts- und Verkehrsdienstleister (beispielsweise die ÖBB oder den Verkehrsverbund) als wesentlich für die Gestaltung von multimodalen Mobilitätsstationen. Auf Platz zwei folgen aber bereits die IT-Unternehmen (57 %) und folgend die Energieunternehmen (54 %), die für den Durchbruch der E-Mobilität relevant seien. (ags)

www.energyagency.at