11.10.2016
Fachkongress E-Mobilität

Elektro-Mobilität ist im Alltag angekommen

„E-Mobilität im Alltag – vom Pionierdasein zur alltäglichen Verwendung in Gebäuden und auf der Straße“ lautete das Thema, mit dem sich hochkarätige Experten auf dem von WEKA FACHMEDIEN ÖSTERREICH zusammen mit AMP veranstalteten Fachkongress E-Mobilität beschäftigten.

120 Teilnehmer nutzten die Gelegenheit, top-aktuelle Informationen einzuholen und moderne Elektro-Autos Probe zu fahren. Nach der Begrüßung der Teilnehmer durch Manfred Krejci (Verlagsleiter und Prokurist der WEKA FACHMEDIEN ÖSTERREICH) bot AUSTRIAN MOBILE POWER-Geschäftsführer DI Heimo Aichmaier, der auch den Kongress moderierte, einen Überblick über den gegenwärtigen Entwicklungsstand der E-Mobilität. Sein Tenor: „Elektro-Mobilität ist im Alltag angekommen!“

DI Heimo Aichmaier, Geschäftsführer AUSTRIAN MOBILE POWER 
   

Erklärtes Ziel der EU ist es, bis 2030 den Einsatz konventioneller Fahrzeuge in der europäischen Stadtlogistik um 50 % zu reduzieren, insbesondere um auch die Treibhausgasemissionen zu senken. E-Fahrzeuge können dazu einen wesentlichen Beitrag leisten. Die Automobil-Hersteller setzen jedenfalls verstärkt auf E-Mobilität, wie die weiter wachsende Zahl auf den Markt gebrachter Elektro-Fahrzeuge belegt. In Österreich lag der Gesamtfahrzeugbestand im August 2016 bei 4.805.885 Fahrzeugen, darunter 9.950 E-Fahrzeuge. Zudem gibt es hierzulande rund 1.100 verzeichnete Ladestandorte. Die künftig zu erwartende Ladesäulenverteilung sieht folgendermaßen aus:

  • 40 % Langsamladung mit Ladestationen in privater Umgebung; Abstelldauer > 6 h.
  • Beschleunigte Ladung in geteilter Umgebung, davon
  • 10 % offener Nutzerkreis, z.B. Parkhäuser, Einkaufszentren; Abstelldauer 45 min bis 4 h.
  • 40 % beschränkter Nutzerkreis, z.B. Mehrparteienhäuser, Firmengelände; Abstelldauer > 4 h.
  • 10 % Schnellladung in öffentlich zugänglichem Umfeld; Abstelldauer < 30 min.

Infrastruktur für die E-Mobilität in Österreich

In seiner Keynote beschäftigte sich DI Herbert Kasser (Generalsekretär im Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie) mit dem nationalen Strategieplan für die E-Mobilität. Die Umsetzung der EU-Richtlinie 2014/94/EU über den Aufbau von Infrastruktur für alternative Kraftstoffe in Österreich bis 18.11.2016 hat zum Ziel, die Erdölabhängigkeit des Verkehrs zu reduzieren und die Umweltbelastung durch den Verkehr zu senken. Die konkrete Umsetzung (durch Ministerien, Länder und Kommunen) sieht die Schaffung eines Nationalen Strategierahmens für die Marktentwicklung bei alternativen Kraftstoffen und den Aufbau entsprechender Infrastrukturen inklusive Maßnahmen und Anreizen (u.a. steuerlicher Art) vor. Dabei ist die Elektro-Mobilität Kernelement, wie auch die aktuelle E-Mobilitäts-Initiative zeigt. Herbert Kasser: „Österreich nimmt die Klima- und Energieziele ernst. Wir wollen die Mobilitäts-Wende mitgestalten.“

DI Herbert Kasser, Generalsekretär im BMVIT
   

Die Zukunft ist Software getrieben

Christoph Bornschein, Geschäftsführer der TLGG – Torben, Lucie und die gelbe Gefahr GmbH, Berlin, warf in der Folge einen Blick in die Zukunft  der Automobil-Entwicklung: „Die Wertschöpfung bei E-Fahrzeugen wird sich neu darstellen, sie wird vor allem über die Software der Fahrzeuge laufen.“ Für klassische Hardware-orientierte Automobilhersteller sieht er weniger Chancen, sich große Teile der Wertschöpfung zu holen. Die Gewinner werden Software- und Service-Anbieter sein. Firmen wie Uber und Google sollten dazu gehören. Es wird App Stores für Autofahrer geben und Big Data eine wichtige Rolle spielen.

Christoph Bornschein, Geschäftsführer der TLGG – Torben, Lucie und die gelbe Gefahr GmbH
   

Neue Ladestationen errichten

In einer weiteren Keynote widmete sich Senatsrat Ing. DI (FH) Harald Bekehrti (Dienststellenleiter der Magistratsabteilung 33) der „Elektro-Mobilität im urbanen Raum“ und da speziell in der Bundeshauptstadt. Der Bedarf an Ladestationen in Wien wird derzeit im Zuge einer Studie an der TU Wien durch das Institut für Verkehrswissenschaften untersucht. Die MA 33 wurde zudem beauftragt, 500 Ladestationen im öffentlichen Raum zu konzeptionieren und zu errichten. Diese Stromtankstellen müssen gewisse ladetechnische Voraussetzungen erfüllen, ebenso wie Kommunikationsfunktionen: So soll es in diesem Zusammenhang per App unter anderem möglich sein, die nächstgelegene freie Stromtankstelle zur erkennen, Ladevorgänge zu reservieren oder zu stornieren und aktuelle Ladezustände anzuzeigen. Zudem sollen die E-Ladestationen im Wien-Stadtplan ersichtlich sein.

Senatsrat Ing. DI (FH) Harald Bekehrti, Dienststellenleiter der Magistratsabteilung 33
   

Ladeinfrastruktur 2.0

Mit moderner Ladeinfrastruktur und Lösungen für einen wirtschaftlichen Ladestationsbetrieb beschäftigte sich Lukas Bauer (Partner & Reseller Management, has.to.be gmbh, Radstadt). Er erläuterte Vor- und Nachteile der Betreibermodelle „Standortpartner“ und „Ladestationsbesitzer“. Für letztere stellte er die All-in-One-Lösung be.ENERGISED vor: Sie ermöglicht die kosteneffiziente Verwaltung von Ladestationen über das Webportal, den Abruf relevanter Daten in Echtzeit (Ladevorgänge, -menge, -dauer), ebenso wie die Abrechnung der Ladevorgänge, ein flexibles Zugangsmanagement per Ladekarte, App oder mobiler Direktbezahlung und integrierte Roaming-Dienstleistungen. Die Erfolgsstatistik: 4.500 Ladepunkte werden bereits mit be.ENERGISED verwaltet.

Lukas Bauer, Partner & Reseller Management, has.to.be gmbh
   

Vernetzung schafft Komfort

„Vernetzung als Wegbereiter komfortabler und umweltfreundlicher (Elektro-) Mobilität“ war das Thema von Kai Weber (Product Manager eMobility Solutions, Bosch Software Innovations GmbH, Immenstaad). Mit Bosch Charging Apps werden alle für das Laden/Bezahlen notwendigen Schritte anbieterübergreifend direkt über eine App getätigt. Dazu kommen State-of-the-Art-Datensicherheit, ein Logbuch mit der Historie aller Ladevorgänge und Kosten, die Anzeige der Ladestationsverfügbarkeit und bargeldlose Bezahlung (via PayPal). Was Mobilität künftig ausmacht, muss in einem noch weiteren Blickfeld gesehen werden. Und auch da ist Vernetzung der Schlüssel, etwa beim intermodalen Pendeln (der Auswahl aus verschiedenen verfügbaren Transportmitteln) oder bei der Vereinfachung des Parkens durch Ausstattung der Fahrzeuge mit entsprechender Software, der Ausrüstung von Parkplätzen mit kommunizierenden Sensoren oder Parkhäusern, die den fahrerlosen Parkvorgang übernehmen.

Kai Weber, Product Manager eMobility Solutions, Bosch Software Innovations GmbH
   

Payment & Mobility – Schlüsselfaktor für die Mobilität von morgen

Internet-Technologien werden künftig die dominierenden Technologien im Bereich Zahlungsabwicklung in allen Vertriebskanälen sein: online, mobil und am POS. Wirecard, ein führendes Technologieunternehmen für den elektronischen Zahlungsverkehr mit weltweit mehr als 22.000 Kunden, treibt diese Entwicklung voran. Axel Puwein (Director of Sales & Innovation bei Wirecard CEE, Graz) erläuterte in seinem Vortrag, wie sich das umsetzen lässt. Sein Credo: „Die Zukunft des Bezahlens ist mobil.“ Mit Smartphones, cleveren Apps. QR-Codes/Barcodes u.a.m., die Informationen und Bezahlmöglichkeiten jederzeit und überall mobil ermöglichen.

Axel Puwein, Director of Sales & Innovation bei Wirecard CEE
   

Es geht um die Daten

Europas größter Anbieter von Ladeinfrastruktur, die Hubject GmbH in Berlin, hat sich eine internationale Vernetzung hinsichtlich Ladeinfrastruktur im öffentlichen Raum zum Ziel gesetzt. DI (FH) Dr. Martin Petschnig, Senior Manager Market Development bei Hubject GmbH, hat das Hauptanliegen auf den Punkt gebracht. Es geht um die Daten. Nämlich „wo“ und „wie“ kann ich laden? Es ist dabei von immenser Wichtigkeit, Echtzeitdaten zur Verfügung gestellt zu bekommen. Also zu wissen, welche Tankstelle sich in der Nähe befindet und ob dort gerade ein Platz frei ist. Das geht zum Beispiel per App oder auch Navigationssystem. Wichtig dabei ist natürlich, dass bei den Tankstellen Parksensoren angebracht sind. Auch, dass man einen freien Platz umgehend reservieren kann. Das ist übrigens seit 1. Oktober 2016 technisch möglich. Weiter geht es mit der Frage nach der Bezahlung. Hier gibt es verschiedenste Möglichkeiten. Entweder in Form eines Vertrages oder auch per Direktzahlung. Ideal wäre auch die Authentifizierung und Bezahlung einfach durch das Anbringen des Steckers. Wichtig ist auf jeden Fall: Jeder soll einfach und barrierefrei einen Zugang zur Ladung bekommen.

DI (FH) Dr. Martin Petschnig, Senior Manager Market Development bei Hubject GmbH
   

Elektromobilität im Wohn- und Hotelbau

Elektrotankstellen bei einem Neubau einfach einzuplanen, ist ein schöner aber sehr naiver Gedanke. Das hat DI Jürgen Marschner, Project Manager bei Signa Reals Estate Management GmbH, Wien, bestätigt. Mit den Wiener Netzen ist da nicht zu spaßen, die Vorschriften sind mannigfaltig. Bei einem Großprojekt beim Wiener Hauptbahnhof konnte er sich davon überzeugen. Stromleitungen dürfen nicht über Grundgrenzen gehen, befindet sich die Garage unterirdisch, müssen zahlreiche Vorgaben eingehalten werden und genügend Energie muss auch vorhanden sein. Deshalb wurde kurzerhand ein eigener Trafo auf dem Grundstück installiert. Somit steht nun 16 „öffentlichen“ E-Tankstellen im Erdgeschoss für Hotel- und Wohnungsnutzer mit 22 kW Anschlussleistung  - der registrierte Nutzer kann an jeder beliebig freien Loadbox laden, bezahlt wird über z.B. Mobiltelefon oder Zimmerkarte - sowie 14 zugeordneten E-Parkplätzen im 1. OG nichts mehr im Wege. Hier kommen Langzeitmietverträge zum Einsatz, die Abrechnung erfolgt über einen EVU-Zähler.

DI Jürgen Marschner, Project Manager bei Signa Reals Estate Management GmbH
   

„Das Laden wird innovativ“

Dass SMATRICS, ein Joint-Venture von Verbund und Siemens, nicht nur Ladesäulen bereitstellt, sondern auch „managed infrastructure“ anbietet, unterstrich SMATRICS-Geschäftsführer Dr. Michael-Viktor Fischer. Das Unternehmen betreibt derzeit rund 380 Ladepunkte, eine Ladesäule mit mindestens 22 kW Anschlussleistung findet sich immer in einem Umkreis von 60 Kilometern. „80 Prozent der Ladungen erfolgen zu Hause oder im Betrieb“, so Fischer. Auch war es ihm wichtig zu betonen, dass alle Schritte rund um den Ladevorgang längst mit dem Smartphone bestritten werden können. „Das Laden wird innovativ“, warf er einen Blick in die Zukunft und verwies hierbei auf die Möglichkeiten des induktiven Ladens und die Verwendung eines E-Fahrzeuges als Stromspeicher.

SMATRICS-Geschäftsführer Dr. Michael-Viktor Fischer
   

Auf dem Weg zum energiebilanzierten Haus

Die E-Mobilität als wirtschaftliche Notwendigkeit sieht Ing. Mag. Gottfried Rotter, Geschäftsführer der e-Marke Austria. Als Alternative zu alten Primärenergien ist Strom (aus PV-Anlagen) für ihn ein Wegbereiter für die Energiewende. „Strom ist im Überfluss vorhanden und bei Anlagen zur Stromgewinnung wie PV-Anlagen, Wasser- und Windkraftwerken liegen die Grenzkosten – abgesehen von der Errichtung – bei nahezu Null“, konstatierte Rotter. Ziel ist das energiebilanzierte Haus, in dem die am besten geförderte Kilowattstunde die selbst verbrauchte Kilowattstunde ist. Das E-Auto als mobiler Energiespeicher ist fixer Bestandteil des energiebilanzierten Hauses. Kernstück ist eine PV-Anlage mit Stromspeicher, die einen Großteil der jährlich benötigten Energiemenge abdecken kann. In diesem Zusammenhang sprach er auch die Vorteile für die E-Heizung, genauer gesagt für die Verwendung von Infrarot-Heizkörpern, an, die seiner Ansicht nach nicht nur wirtschaftlicher sind, sondern auch ein behaglicheres Raumklima zur Folge haben.

Ing. Mag. Gottfried Rotter, Geschäftsführer der e-Marke Austria
   

Welcher Standort eignet sich für den PV-Einsatz?

Wie man den Einsatz von PV-Anlagen auf Wohngebäuden optimieren kann, erläuterte Mag. Markus Posch, BSc, Geschäftsführer von STEPS. Das Software-Engineering-Unternehmen aus Innsbruck wurde 2010 gegründet und startete damals mit der Erstellung von großflächigen Solarkatastern. Zum Einsatz kommen hier neuartige Simulationsmodelle, die eine Quadratmeter-genaue Aufschlüsselung im 30-Minuten-Takt von Regionen und Gebäuden erlauben. Eine Weiterentwicklung ist die Simulation VERTISOL, die nicht mehr nur Dächer, sondern auch Fassaden katastriert. Damit kann geklärt werden, ob sich ein Standort für die Nutzung von Solartechnologie eignet. Erfasst werden hier der direkte und indirekte Einfall von Sonnenstrahlen, Schatten und auch der Stand der Sonne je nach Jahreszeit. VERTISOL ist der weltweit erste Fassadenkataster, mit dem beispielsweise schon 160.000 Gebäude in Wien mit insgesamt 328 Millionen m2 Fassadenfläche abgebildet wurden.

Mag. Markus Posch, BSc, Geschäftsführer von STEPS
   

Notwendigkeit großer Speichermedien

„Parken und Laden in Gebäuden und Parkanlagen“, lautete der Titel des Referates von Ronald-Mike Neumeyer, Leiter eMobility Unit bei SWARCO Traffic Systems. Das Unternehmen kann auf 40 Jahre Erfahrung in der Ampelproduktion zurückblicken und widmet sich seit 2010 gezielt Komplettlösungen für E-Mobilität. Hier deckt man den kompletten Prozess von der Projektierung über die Lieferung, Montage und Inbetriebnahme, den fortlaufenden Betrieb, die gesetzlich vorgeschriebenen sicherheitstechnischen Überprüfungen bis hin zur Wartung von Ladestationen ab. Ausgewählte Projekte, etwa in Parkhäusern, aber auch ein Schnellladekonzept an Autobahnen, und weitere zeigen, „dass wir vor allem im öffentlichen Raum große Speichermedien, die langsam ‚befüllt‘ werden müssen, brauchen“, so Neumeyer. Dieses Thema, verbunden mit einem intelligenten Lastmanagement, werde die Branche in den kommenden Jahren stark begleiten.

Ronald-Mike Neumeyer, Leiter eMobility Unit bei SWARCO Traffic Systems
   

Nutzen statt besitzen

Dem Trend zur „Shareeconomy“, in der sich ein Wandel vom Besitz der Mobilität zu deren Nutzung vollzieht, trägt die IBIOLA Mobility Solutions mit ihren Produkten und Dienstleistungen Rechnung. Vertriebsleiter Johannes Freudenthaler ortet für die Zukunft eine Verknüpfung von Carsharing, Taxis und autonomem Fahren. „IBIOLA ist ein Baustein für die Mobilität der Zukunft“, erklärte Freudenthaler, und maßgeschneiderte Softwaresysteme, verbunden mit Frontend, Backend, Reporting und Features, untermauern das Know-how. Als Mobilitätsform der Zukunft hat man sich stark dem Corporate Carsharing verschrieben, das eine effektivere Verwaltung des Fuhrparks hinsichtlich ökonomischer, ökologischer und sozialer Faktoren bringen soll. Dazu zählen beispielsweise ein Erhöhung der Fuhrpark-Auslastung, eine Senkung der Mobilitätskosten und mehr freie Flächen für Betriebsstätten sowie eine CO2- und Feinstaubreduktion und mehr Grünflächen.

Johannes Freudenthaler, Vertriebsleiter, IBIOLA Mobility Solutions 
   

Anforderungen durch steigende Anzahl an Ladepunkten

Für den Durchbruch der E-Mobilität bedarf es laut Falk Görner, Leiter Technik Hager Electro, vor allem der Verfügbarkeit von Ladepunkten, der Kompatibilität, der einfachen Bedienung und der Sicherheit. Hager bietet Produkte für private und halböffentliche Ladepunkte und rät dazu, bereits in der Planungsphase von Bauprojekten die Einbindung von E-Fahrzeugen in das „intelligente Zuhause“ zu berücksichtigen. Zudem wird gefordert, dass legal eingekaufter und versteuerter Strom unbürokratisch weiterkauft werden darf. Damit würde sich der Markteinstieg für Betreiber öffentlicher Ladeinfrastruktur immens erleichtern. Im Bereich der gewerblichen Ladeinfrastruktur muss laut Görner die kostenlose Abgabe von Ladestrom ermöglicht werden, ebenso wie das Vorhalten von Ladeinfrastruktur für Mitarbeiter und Kunden sowie der Verkauf von Ladestrom und der zugehörigen Parkfläche an Fremdnutzer. Dazu bedarf es allerdings der passenden technischen Ausstattung, um die gleichzeitige Ladung an mehreren Ladepunkten sowie die Freigabe der Ladepunkte für Fremdnutzer zu ermöglichen.

Falk Görner, Leiter Technik Hager Electro
   

Strombedarf aus Eigenerzeugung decken

Dass sich Photovoltaik und Elektromobilität optimal ergänzen, darauf verwies Ing. Martin Krottenthaler, Vertriebskoordination Verbund Solutions. Durch den Einbau einer herkömmlichen PV-Anlage ohne zusätzliche Maßnahmen wie Stromspeicher oder die Ansteuerung/Programmierung von Verbrauchern könnten bis zu 30 % des Strombedarfs im Einfamilienhaus gedeckt werden. Mit einer Gerätesteuerung und einem angepassten Nutzerverhalten steigt dieser Wert schnell auf bis zu 60 %. Nimmt man dann einen Stromspeicher hinzu, erhöht sich der Eigenstromanteil bereits auf bis zu 80 %. Die nächste Steigerungsstufe wäre dann die Verwendung eines E-Autos als Stromspeicher, dann wäre sogar ein Eigenstromanteil bis zu nahezu 100 % möglich. Krottenthaler ging in seinem Vortrag auch auf die Wartungsfreiheit und die lange Lebensdauer von PV-Modulen ein. Diese würden lediglich einen jährlichen Leistungsverlust zwischen 0,4 und 0,6 % aufweisen. In Kooperation mit der Firma Solavolta, an der der Verbund seit Kurzem 50 % der Anteile hält, sind seit 2008 bereits über 3.500 Anlagen errichtet worden.

Ing. Martin Krottenthaler, Vertriebskoordination Verbund Solutions
   

Fördermöglichkeiten zur E-Mobilität

Die Förderungsmöglichkeiten zur Elektromobilität in Österreich lassen sich grob in drei Segmente unterteilen, erklärte Andreas Wimmer, MSc, von Austrian Mobile Power:  1. Steuerliche Anreize, 2. Ankaufsförderung und 3. Infrastrukturförderung (z.B. für die Errichtung von Ladeinfrastruktur).
Wesentlich sind vor allem die massiven Steuererleichterungen für E-Fahrzeuge: 1. Die NoVA beim Ankauf entfällt; 2. Im laufenden Betrieb ist keine Kfz-Steuer (Motorbezogene Versicherungssteuer) zu bezahlen, bei Plug-in-Hybrid-Fahrzeugen oder E-Fahrzeugen mit Range-Extender muss diese nur für die Leistung des Verbrennungsmotors entrichtet werden; 3. E-Fahrzeuge sind vorsteuerabzugsberechtig; 4. kein Sachbezug für Arbeitnehmer bei Dienstfahrzeugen.
Ebenso gibt es unterschiedliche Ankaufs- und Infrastrukturförderungen auf Bund- und Länder-Ebene. Diese sind aber zum Teil schlecht planbar, weil die entsprechenden Töpfe mitunter vorzeitig ausgeschöpft werden. Zudem sind auch die Förderungen für E-Mobilität im Kompetenzwirrwarr zwischen Bund- und Ländern verstrickt und so findet man sich im Subventionsdschungel des österreichischen Föderalismus wieder. Um hier den Überblick zu behalten empfiehlt sich das Fördertool und der Steuerrechner auf der Website www.austrian-mobile-power.at.

Andreas Wimmer, MSc, von Austrian Mobile Power
   

Wirtschaftlichkeit und Kundenfeedback

Im Flottenbereich würden Fahrzeuge mit alternativen Antrieben derzeit weniger als 1 % ausmachen, sagt LeasePlan Österreich-Geschäftsführer Nigel Storny und betont: Ohne Förderungen würde die E-Mobilität einer wirtschaftlichen Vergleichsrechnung mit herkömmlichen Fahrzeugen derzeit nicht standhalten. Das Feedback der Mitarbeiter zu einem von LeasePlan angeschafften E-Poolfahrzeugs sei aber überwiegend positiv, insbesondere was den Antrieb betrifft. Negativ wird hingegen das mangelnde Platzangebot und die Reichweite beurteilt.

Nigel Storny, Geschäftsführer LeasePlan Österreich
   

Dieses Stichwort greift Dorit Haider, Direktorin Kommunikation & Öffentlichkeitsarbeit bei Renault Österreich, gerne auf: Denn am Autosalon Paris wurde soeben der neue Renault ZOE mit einer Normreichweite von 400 km (rund 300 km real) präsentiert. Damit wären Non-Stop-Reisen zwischen Wien und Salzburg möglich und eine wesentliche Hürde hinsichtlich der Alltagstauglichkeit beseitigt.

Dorit Haider, Direktorin Kommunikation & Öffentlichkeitsarbeit bei Renault Österreich
   

Sollte die Reichweite einmal nicht ausreichen, so sei das E-Tankstellen-Netz inzwischen gut ausgebaut, wie Michael Kulhavy, Zero Emission Manager bei Nissan, bekräftigt.  Im urbanen Raum und auch im Regionalbereich – Stichwort „Pendler“ – sei die Reichweite jedenfalls kein Problem mehr.

Michael Kulhavy, Zero Emission Manager bei Nissan
   

Bernhard Wurm, Manager Technical Training bei Mitsubishi/Denzel Autoimport, sieht Plug-in-Hybrid Fahrzeuge, wie beispielsweise den Mitsubishi Outlander als Brückenlösung, bis die Batterie-Technologie so weit entwickelt ist, dass auch rein batterieelektrisch betriebene Fahrzeuge alle Reichweitenbedürfnisse abdecken. Mit dem Plug-in-Hybrid können kurze Wege elektrisch gefahren werden, bei längerer Strecke oder höherem Leistungsbedarf schaltet sich ein Verbrennungsmotor zu.

Bernhard Wurm, Manager Technical Training bei Mitsubishi/Denzel Autoimport
   

Die Mobilität der Menschen zu vereinfachen und die Lebensqualität in Städten zu verbessern, so beschreibt das Unternehmen MO.Point seine Zielsetzungen und präsentiert sich als Schnittstelle zwischen Bewohnern, Unternehmen, Mobilitätsanbietern, Bauträgern, Projektentwicklern sowie Städten und Kommunen. Die Mehrzahl aller Fahrten betreffen Wegstrecken von weniger als 50 km, weiß Mag. Stefan Arbeithuber, Geschäftsführer und Partner von MO.Point. Insbesondere im urbanen Raum ist nicht nur E-Car-Sharing, sondern auch E-Bike-Sharing daher eine sinnvolle Mobilitätsalternative. Die Bauträger könnten, wenn sie entsprechende Angebote in Wohnbauprojekten inkludieren, auch die Anzahl der verbindlich zu errichtenden Kfz-Stellplätze reduzieren und so Baukosten sparen.

Mag. Stefan Arbeithuber, Geschäftsführer und Partner von MO.Point (Mitte)
   

DI Renato Eggner, Leiter Fuhrparkmanagement-Ausschuss im Verband Österreichischer Leasinggesellschaften (VÖL), ist der Meinung, dass E-Fahrzeuge im Verkauf beratungsintensiver sind, als andere Autos. Wichtig sei eine TCO-Gesamtrechnung, die auch die niedrigeren Betriebskosten für E-Fahrzeuge berücksichtigt. Leasing sieht er in diesem Zusammenhang als gute Möglichkeit, um die hohen Anschaffungskosten für E-Fahrzeuge zu glätten. Einen großen Bedarf an E-Fahrzeugen ortet er im Nutzfahrzeugbereich. Auch DI Heimo Aichmaier, Geschäftsführer von Austrian Mobile Power, sieht hier viel Potential für KEP-Dienstleister und Zusteller.

DI Renato Eggner, Leiter Fuhrparkmanagement-Ausschuss im Verband Österreichischer Leasinggesellschaften
   

DI Matthias Zawichowski, Mitglied des Vorstands von fahrvergnügen.at, ist der Ansicht, dass schon heute keine Förderungen mehr für einen wirtschaftlichen Betrieb von E-Fahrzeugen nötig sind. Die bestehenden steuerlichen Begünstigungen seien ausreichend. Fahrvergnügen.at betreibt 30 E-Fahrzeuge, 15 davon im Sharing-Betrieb.

DI Matthias Zawichowski, Mitglied des Vorstands von fahrvergnügen.at
   

Wünsche an Politik und Industrie

Man müsse wirtschaftliche Rahmenbedingungen und eine Infrastruktur schaffen, damit E-Mobilität entsprechend gefördert wird, meint Nigel Storny. Denn, so bekräftigt er: Ohne Förderungen geht es derzeit noch nicht.
Dorit Haider von Renault wünscht sich weitere Impulse durch Förderungen im Privatkundenbereich, damit die Automobilhersteller in die Stückzahlen kommen, sodass die Preise mittelfristig sinken.
Auch Bernhard Wurm von Mitsubishi hält den Kaufpreis für E-Fahrzeuge im Vergleich zu Verbrennern noch für zu hoch. Förderungen seien daher nötig, um den Preisunterschied auszugleichen.
Dazu müsse insbesondere der Förderdschungel ausgemistet und, wie Michael Kulhavy von Nissan es nennt, der „Förderwahnsinn“ und das föderale Durcheinander mit unterschiedlichen Subventionen in verschiedenen Bundesländern, beendet werden. Auch die Planbarkeit der Förderungen sei wichtig.
Das sieht auch Renato Eggner vom VÖL so, allerdings wünscht er sich auch von den Autoherstellern eine längere Garantie auf die Batterie, um Konsumenten und Finanzierern den Kauf von E-Fahrzeugen zu erleichtern.
DI Matthias Zawichowski von fahrvergnügen.at wünscht sich Batteriemietverträge und weniger Ankündigungen seitens der Autoindustrie dafür aber mehr Umsetzung hinsichtlich größerer Reichweiten von E-Fahrzeugen.
Mag. Stefan Arbeithuber von MO.Point sieht noch legistischen Handlungsbedarf bei der Bauordnung.

 
Bilder: WEKA/Peherstorfer  

Abschließend plädierte Moderator Heimo Aichmaier an alle Kongressteilnehmer sich für die E-Mobilität stark zu machen und diese im eigenen Wirkungsbereich zu ermöglichen und zu fördern: „Seien Sie Pioniere“, sagte er zum Abschied und bedankte sich bei Verlagsleiter Manfred Krejci vom WEKA-Verlag für dessen Mut und Engagement zur Veranstaltung des E-Mobilitätskongresses.

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