05.10.2015
Fachkongress E-Mobilität

E-Mobilitäts-Lösungen sind schon vorhanden

Dem Generalthema „E-Mobilität im Unternehmen – reine Utopie oder sinnvolle Alternative“ folgend, fand am 1. Oktober der vom WEKA-Verlag in Kooperation mit Austrian Mobile Power (AMP) durchgeführte „Fachkongress E-Mobilität“ im Florido-Tower statt.

130 Teilnehmer konnten Informatives und Wissenswertes rund um das Thema E-Mobilität und den sinnvollen Einsatz in Fuhrparks und Flotten mit nach Hause nehmen. Als große Herausforderung der Zukunft gilt die zunehmende Verstädterung und damit auch die Problematik des motorisierten Individualverkehrs im Hinblick auf die Umweltbelastung. Verschärfte Abgasbestimmungen werden in Hinkunft viele „herkömmliche“ Fahrzeuge von den (Innen-)Städten fernhalten. Der breite Einsatz der E-Mobilität könnte hier einen Lösungsweg darstellen, auch wenn bis zu einem flächendeckend sinnvollen Einsatz noch einige Hausaufgaben gemacht werden müssen, wie auch die Referenten beim Kongress betonten.



 

Die Möglichkeiten nutzen

DI Heimo Aichmaier, Geschäftsführer Austrian Mobile Power, beschäftigte sich in seinem Eingangsstatement mit der grundsätzlichen Frage: Wo steht die E-Mobilität? Schon heute leben 75 % der EU-Bevölkerung in Städten. Ein Prozentsatz, der noch weiter steigen wird. EU-Ziele sehen vor, dass bis ins Jahr 2030 50 % der konventionellen Fahrzeuge aus der europäischen Stadtlogistik verschwinden sollen. Dazu braucht es neue Mobilitäts-Lösungen. Die E-Mobilität erweist sich hier als Alternative: mit ihrem Angebot an Fahrzeugen und Antrieben (voll- und teilelektrisch, Wasserstoff und Brennstoffzellen) und auf unterschiedlichste Nutzerbedürfnisse abgestimmten Ladeinfrastrukturen. Die E-Mobilitäts-Lösungen sind also schon vorhanden – es liegt insbesondere an Unternehmen bei Investitionen in ihre Fahrzeugflotten die damit verbundenen Möglichkeiten auch zu nutzen.

DI Heimo Aichmaier, Geschäftsführer Austrian Mobile Power,

 

Der Markthochlauf hat begonnen

Mit dem Thema „E-Mobilität – Beginn des Markthochlaufs!?“ beschäftigte sich DI Henry Kuhle, Senior Manager Advanced Technology VDA. In Deutschland hat der E-Fahrzeug-Markt die Marktvorbereitungsphase abgeschlossen und befindet sich im Markthochlauf: Bis Ende 2015 werden 29 verschiedene E-Fahrzeugmodelle deutscher Hersteller auf dem Markt verfügbar sein, die das gesamte Spektrum vom Kleinwagen, der Kompakt- und Mittelklasse bis zu Oberklasse, Sportwagen,  VAN/SUV abdecken. Weltweit lag das Wachstum im Bereich E-Fahrzeuge im 1. Halbjahr 2015 bei durchschnittlich 115 % gegenüber dem Vorjahr. Der Markt teilt sich in batterieelektrische Fahrzeuge (25 %) sowie batterieelektrische Fahrzeuge mit Range Extender und Plug-In-Hybrid-Fahrzeuge, die zusammen 75 % ausmachen. Für die Akzeptanz der E-Mobilität sind drei Faktoren wichtig:

  • Der Preis: Eine Mehrpreisbereitschaft ist vorhanden, schwankt aber stark nach Nutzergruppen.
  • Die Reichweite: Sie ist für etwa 90 % aller Fahrten ausreichend.
  • Die Ladeinfrastruktur: Sie muss flächendeckend sein, einfach und zuverlässig funktionieren.

Bei den Batterien ist durch Post-Lithium-Technologien ein Technologiesprung zu erwarten. Bis 2025 sollte es zu einer Verdoppelung der Reichweite oder zur Halbierung der Kosten kommen.

DI Henry Kuhle, Senior Manager Advanced Technology VDA

 

Steuerliche Begünstigungen

MR Dr. Roland Grabner, Leiter der Abteilung für Umweltabgaben und Verbrauchssteuern im Bundesministerium für Finanzen, beleuchtete in der Folge die steuerlichen Rahmenbedingungen für E-Mobilität in Österreich. Hierzulande gibt es umfangreiche Steuerbegünstigungen für E-Fahrzeuge, die durch die Steuerreform noch erweitert werden. So sind „echte“ E-Fahrzeuge von der NoVA befreit. Hybrid-Fahrzeuge sind indirekt begünstigt, weil der CO2-Ausstoß den Steuersatz bestimmt. Hybrid-Fahrzeuge liegen oft unter der Grenze von 90 g/km, sodass das Fahrzeug der NoVA unterliegt, aber der Steuersatz Null ist. Kraftfahrzeuge, die ausschließlich elektrisch angetrieben werden, sind von der motorbezogenen Versicherungssteuer und der Kfz-Steuer befreit. Ab 1. Jänner 2016 ist auch der Vorsteuerabzug für Fahrzeuge mit einem CO2-Emissionswert von 0 g/km möglich. Das sind E-Fahrzeuge und es gilt für Anschaffungskosten bis 80.000,- Euro. Begünstigungen gibt es zudem beim Sachbezug für E-Fahrzeuge und bei deren laufenden Betrieb.

MR Dr. Roland Grabner, Leiter der Abteilung für Umweltabgaben und Verbrauchssteuern im Bundesministerium für Finanzen

 

E-Mobilität und Fuhrparkmanagement

Warum ist Fuhrparkmanagement gerade für die E-Mobilität optimal? Mit dieser Frage beschäftigte sich DI Renato Eggner, Leiter Fuhrparkmanagement-Ausschuss im Verband Österreichischer Leasing-Gesellschaften (VÖL). Ausgelagertes Fuhrparkmanagement (FPM) liegt im Trend: Das zeigen unter anderem die gestiegenen Fuhrparkmanagement-Neugeschäftsvolumen und -Neuverträge. Durch die Vielzahl an Fahrzeugen haben FPM-Unternehmen einen großen Erfahrungsschatz bezüglich neuer Techniken. Zudem ist es Kernexpertise, mögliche Kosten vorab abzuschätzen (Wertverlust, Service-/Defektreparaturen etc.). Diese Kosten werden für die Kunden über die Laufzeit linearisiert verrechnet (mit gleichbleibenden monatlichen Kosten) und sind daher einfach budgetierbar. Die Mitglieder des Fuhrparkmanagement-Ausschusses im VÖL haben gemeinsam einheitliche Qualitätsstandards entwickelt und sich zu deren Einhaltung verpflichtet. Eine Checkliste für Leasing und FPM findet man auf www.leasingverband.at/Leistungsspektrum.

DI Renato Eggner, Leiter Fuhrparkmanagement-Ausschuss im Verband Österreichischer Leasing-Gesellschaften (VÖL)

 

Finanzierung und Wirtschaftlichkeit

Nigel Storny, Geschäftsführer LeasePlan Österreich Fuhrparkmanagement GmbH, sieht im Betrieb einer „Grünen Flotte“ für Unternehmer auch eine Frage der Haltung. Diese sendet ein gewisses Signal nach innen, zu den Mitarbeitern, aber selbstverständlich auch nach außen. Im Fuhrpark stellt sich aber auch die Frage der Wirtschaftlichkeit. Im laufenden Betrieb sieht Storny hier bei den „Treibstoffkosten“ durchaus finanzielle Vorteile der E-Mobilität. So wären bei einer Jahreskilometerleistung von 15.000 Kilometern gegenüber verbrennungsmotorisch betriebenen Autos bis zu 300 Euro pro Jahr und Fahrzeug an Einsparungen möglich. „Allerdings müssen wir Fahrzeuge in ihrer Gesamtheit betrachten, das heißt wir reden von Total Cost of Ownership (TCO)“, führt Storny weiter aus. Mit 61 % der Gesamtkosten stellt der Wertverlust, also die Differenz zwischen Anschaffungskosten und Restwert beziehungsweise Wiederverkaufspreis eines Fahrzeugs, den Löwenanteil der TCO dar. Bezieht man dies in die Kostenrechnung mit ein, dann ergibt sich ein anderes Bild. Storny kommt zu dem Schluss, dass „ohne Förderung die Hybrid- und die E-Mobilität die teuerste Art der Fortbewegung ist.“
Haupthemmnisse für die E-Mobilität ist neben den hohen Anschaffungskosten aber insbesondere die zu geringe Reichweite. Als Antwort auf dieses Problem präsentiert LeasePlan das Leasingmodell „48/4“ für E-Fahrzeuge. Dabei wird für 48 Wochen im Jahr ein E-Fahrzeug geleast. Für 4 Wochen kann es durch ein herkömmliches Fahrzeug getauscht werden, um beispielsweise den Familienurlaub mit entsprechenden Langstreckenfahrten zu realisieren.

Nigel Storny, Geschäftsführer LeasePlan Österreich Fuhrparkmanagement GmbH

 

Hinsichtlich der „Total Cost of Ownership“ bestehen bei den Experten der Leasinggesellschaften unterschiedliche Einschätzungen. So präsentierte Philip Pascal Kalomiris, MA, Projekt- und Produktmanager für alternative Antriebe bei Raiffeisen-Leasing, eine Vergleichsrechnung zwischen einem Verbrennungs- und einem E-Fahrzeug über fünf Jahre, bei dem das E-Fahrzeug sich als günstiger erweist.
Die Raiffeisen-Leasing wickelt, insbesondere in den Modellregionen für E-Mobilität, Finanzierungen und soweit möglich auch die Förderungen für neue E-Fahrzeuge ab. Im Rahmen der Finanzierung wird dazu die Förderung einfach vom Kaufpreis abgezogen und direkt mit der Förderstelle verrechnet. Das erspart dem Kunden bürokratischen Aufwand. Bis Mitte 2016 wird Raiffeisen-Leasing so gemeinsam mit ihren Partnern insgesamt 3.300 zweispurige und 2.200 einspurige E-Fahrzeuge in Österreich in Verkehr gebracht haben.

Philip Pascal Kalomiris, MA, Projekt- und Produktmanager für alternative Antriebe bei Raiffeisen-Leasing

 

Auch Unternehmensberater haben sich mit E-Mobilität befasst. Mag. Tobias Wiener, MBA, Manager Energy & Resources Deloitte Österreich, ist bei den Kostenrechnungen vorsichtig: „Wir vergleichen im Moment immer ein entwickeltes Produkt mit einem noch in Entwicklung befindlichen Produkt. Und dann sind natürlich die Kosten höher.“ Eine wirkliche Vergleichbarkeit sei aber erst gegeben, wenn das Marktvolumen für E-Fahrzeuge und damit die Stückzahlen ein gewisses Niveau erreicht haben.

Mag. Tobias Wiener, MBA, Manager Energy & Resources Deloitte Österreich

 

Platz- und Raumbedarf

Wiener stellt allgemein die Frage, wieweit Unternehmen ihren Fuhrpark wirklich „besitzen“ müssen. Als Alternative gebe es verschiedenste Formen der Fortbewegung, die man angepasst an einen jeweiligen Mobilitätsbedarf flexibel nutzen könnte. Auch Carsharing sei von der Kostenseite her interessant, wenn man die Platzersparnis für den eigenen Fuhrpark in die Rechnung mit einbezieht. TCO-Rechnungen würden aber den Raumbedarf für die Fahrzeuge (Garagen und Parkplätze) oft nicht berücksichtigen.
In eine ähnliche Kerbe, wenn auch nicht aus betriebswirtschaftlicher sondern aus städteplanerischer Sicht, schlägt DI Stephanie Schwer, Stadtentwicklung und Verkehr, Österreichischer Städtebund. „Es geht vor allem auch um den Platzbedarf im öffentlichen Raum und das ist ein Problem, das auch durch Elektrofahrzeuge nicht gelöst wird“, so Schwer. Deshalb setzen die Städte in ihren Mobilitätskonzepten insbesondere auf den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). „Der Einsatzbereich von E-Mobilität aus Sicht der Städte begrenzt sich auf jene Bereiche, wo Alternativen zum Autobesitz hergestellt werden“, führt Schwer weiter aus. Das seien die Bereiche E-Carsharing, das E-Taxi-Gewerbe und die Citylogistik. Als beispielhaftes Projekt führt Schwer die „Multimodalen Mobilitätsknoten“ in Graz an, wo neben einer Anbindungen zu öffentlichen Verkehrsmitteln auch Fahrradabstellplätze mit Ladestationen für E-Bikes sowie Stationen für E-Car-Sharing und E-Taxis zu finden sein werden. In Wien gibt es ein E-Taxiprojekt: Im Jahr 2016 sollen 120 E-Taxis zum Einsatz kommen, im Folgejahr könnten es bereits 250 sein.

DI Stephanie Schwer, Stadtentwicklung und Verkehr, Österreichischer Städtebund

 

Infrastruktur muss passen

Dass die Verbesserung der Ladesäuleninfrastruktur ein wesentlicher Baustein für den Erfolg der E-Mobilität ist, betonten zahlreiche Referenten. Mag. Thomas Makrandreou, Leiter Unternehmenskommunikation von ABB in Österreich und Slowenien, verwies auf das Positiv-Beispiel Estland, wo ABB vor zwei Jahren insgesamt 700 Ladestationen, davon 200 als Schnellladestationen, errichtet hat. „E-Mobilität bedeutet für ABB auch, Energie so effizient wie möglich zu nutzen, um damit die Umweltbelastung zu reduzieren. Dieses Ziel wollen wir entlang der gesamten Energiekette, von der Erzeugung bis zum Verbrauch, realisieren.“ Ein Exkurs über verschiedene Ladetechnologien (AC/DC), die ABB mit Multi-Standard-Schnellladestationen optimal bedient, unterstreicht die Notwendigkeit der Anwenderfreundlichkeit. Seit kurzem bietet ABB auch Bezahlterminals an, denn „die Integration sämtlicher Authentifizierung- und Abrechnungsmöglichkeiten ist wichtig für die Akzeptanz der Ladeinfrastruktur“, so Makrandreou. Für ihn gibt es keine Hemmschwellen bei der E-Mobilität mehr: die technischen Standards (vor allem Stecker) seien gelöst, die Reichweitenangst könne durch den Einsatz von Schnellladestationen eliminiert werden und die Schnellladung ermögliche den effizientesten Einsatz von Parkplätzen.

Mag. Thomas Makrandreou, Leiter Unternehmenskommunikation von ABB in Österreich und Slowenien

 

Mehrkosten werden bedingt akzeptiert

Neben dem unfallfreien hat sich der Technologiekonzern Bosch auch dem emissionsfreien Fahren verschrieben. Durch den Wandel im Mobilitätsverhalten (Carsharing, Poolfahrzeuge, etc.) will man bei Bosch stärker in diesem Bereich tätig werden und Mobilitätslösungen anbieten, wie DI Hanno Miorini, Vice President Sales Automotive Technology bei der Robert Bosch AG, unterstrich. Emissionsfreies Fahren bedeute die Auseinandersetzung in den Bereichen (Elektro-)Motor, Leistungselektronik und Batterie. „Wir wollen ganz vorne bei der nächsten Generation der Batterien sein“, kündigte Miorini einen Schwerpunkt der Zukunft an. Aber der Konzern beschäftige sich nicht nur mit Hardware, sondern auch mit Vernetzung via Internet, etwa der einzelnen Ladestationen untereinander. Präsentiert wurden auch die Ergebnisse aus dem Forschungsprojekt „Get eReady“, an dem Bosch beteiligt ist und das sich mit dem Betrieb von E-Fahrzeugen in Firmenflotten befasst. Demnach könnten 80 % aller Fahrten mit reinen Elektrofahrzeugen (Reichweite 120 km), immerhin 60 % aller Fahrten mit Plug-In-Hybriden im rein elektrischen Betrieb (Reichweite 55 km) durchgeführt sowie 6 bis 9 % der Fahrzeuge elektrisch angetrieben werden. E-Mobilität werde heutzutage oft als Imagefaktor gesehen, nichtsdestotrotz seien natürlich die finanziellen Argumente ausschlaggebend. Bei dem Forschungsprojekt hätten sich Mehrkosten von rund 140,- Euro pro Monat für ein reines E-Fahrzeug ergeben, Flottenverantwortliche würden hingegen 100,- Euro Mehrkosten pro Monat akzeptieren. Das Potenzial zur Ersparnis durch den Einsatz von E-Mobilität sei also gering, ein Mehrwert würde lediglich durch einen Imagegewinn realisiert, fasste Miorini zusammen.

DI Hanno Miorini, Vice President Sales Automotive Technology bei der Robert Bosch AG

 

Durchbruch durch induktives Laden?

Mit einem Meilenstein in der E-Mobilität rechnet Dr. Michael-Viktor Fischer, Geschäftsführer SMATRICS, im nächsten oder übernächsten Jahr. „Denn dann startet das induktive Laden, das der E-Mobilität zum großen Durchbruch verhelfen wird.“ Im SMATRICS-Netz in Österreich findet sich im Umkreis von 60 Kilometern immer eine Ladestation mit mindestens 22 kW. Derzeit baue man das DC-Netz aus, wo man Ende dieses Jahr bei 62 Stationen stehen werde. Ein Lanze bricht Fischer für, wie er es nennt, „intelligente“ Ladetechnologie: Dazu zählen Features wie SIM-Karte, Verbindung zum Backend-System, Möglichkeit der Abrechnung mit verschiedenen Kostenstellen, etc. Mit einer herkömmlichen „Wallbox“ für den Heimgebrauch habe das nichts mehr gemein, so Fischer.

Dr. Michael-Viktor Fischer, Geschäftsführer SMATRICS

 

Parken und Laden im Einklang

Uwe Hahner von SWARCO gab seinerseits einen Einblick in das Unternehmen mit österreichischen Wurzeln. Weltweit Nummer eins in der Ampelproduktion, ist man auch im Sektor der E-Mobilität mit rund 1.600 errichteten Ladepunkten in ganz Deutschland stark präsent. Involviert ist SWARCO beispielsweise im Projekt „LivingLab BWe mobil“ im deutschen Bundesland Baden-Württemberg. Dort verfolgt man das Ziel einer engen Verbindung von Parken und Laden und dem dafür geeigneten Management. Einen Kernpunkt stellt hier das Dispositionssystem dar, das eine genaue Analyse aller Fahrzeuge hinsichtlich Nutzung (Kilometer, Dauer, Zwischenstopps), ausreichende E-Versorgung des Unternehmens, Kenntnis aller elektrischen Verbraucher, effektive, flexible und steuerbare Ladesäuleninfrastruktur und Berücksichtigung der Buchungswünsche umfasst. Mit der Plattform ePGS gibt es ein übergeordnetes Parkleitsystem für E-Mobilität, das eine entsprechende Verwaltung der Ladesäulen (Ladesäulenmanagement) beinhaltet.

Uwe Hahner, General Manager Business Unit Parking and E-Mobility, Swarco Traffic Systems GmbH

 

Ein innovatives Bezahlsystem für ein- und zweispurige Fahrzeuge stellte Ing. Michael Makivic, Geschäftsführer von EC park and charge, vor. Damit kann der Betreiber den Ladepunkt individuell konfigurieren, etwa den Tarif festlegen. Für den User gestaltet sich der Ablauf höchst einfach: Die „EC PC“-App ermöglicht die Freischaltung und Bezahlung des Ladevorgangs, die Verwaltung und den Erwerb von Credits und das Auffinden von Vertragsladestationen. Herzstück ist jedoch nicht die App, sondern das Bezahlterminal namens „Bluebox“, das einfach in die Ladesäule integriert werden kann und sich somit auch zur Nachrüstung eignet.

Ing. Michael Makivic, Geschäftsführer von EC park and charge

 

Gegenwart und Zukunft der Mobilität

Stellvertretend für andere Hersteller alternativer Antriebsenergien, gaben Vertreter der Marken BMW, Hyundai, Renault und Toyota einen kurzen Überblick über ihr Portfolio auf diesem Sektor. Den Auftakt machte Claus Derdak von BMW mit den beiden Modellen BMW i3 und i8. Beim i3 handelt es sich um ein reines Elektrofahrzeug mit 170 PS – vor allem für den urbanen Bereich gedacht. Der i8 hingegen soll Emotionen ansprechen. Bei diesem Sportwagen mit einer Systemleistung von 362 PS kommt ein Plug-In-Hybrid zum Einsatz. Wichtig ist BMW bei der Produktion seiner Fahrzeuge die Nachhaltigkeit. Nachwachsende Rohstoffe bilden neue Designansätze und Erlebnisse im Interieur. So wird beispielsweise das Extrakt von Olivenblättern für die Ledergerbung verwendet.

Claus Derdak von BMW

 


Weiter ging es mit Michaela Schuler, MA, von Renault. Sie präsentierte die französische Elektrorange, bestehend aus dem Twizy – einem kompakten City-Flitzer für zwei Personen –, dem Kangoo Z.E. – ein vorsteuerabzugsfähiges Nutzfahrzeug –, und dem ZOE – ein kompakter 5-Türer. Bei allen drei Modellen wird die Batterie gemietet und im Bedarfsfall kostenlos ausgetauscht.
Innovativ wurde es dann bei Hyundai.

Michaela Schuler, MA, von Renault

 

Komm.-Rat Michael Heilmann präsentierte das erste serienmäßige Elektroauto auf Basis von Brennstoffzelle oder Wasserstoff – den Hyundai ix35 FCEV. Er bietet eine Reichweite von 594 km und verfügt über 136 PS. Einziges Problem stellt hier noch die Infrastruktur dar, diese ist mit aktuell zwei Tankstellen in Wien und in Innsbruck nicht ideal. Es folgen allerdings ab dem nächsten Jahr Stützpunkte in Linz, Graz und Wien.

Komm.-Rat Michael Heilmann von Hyundai

 

Den Abschluss bildete Toyota. Ing. Gerhard Korpitsch erzählte über die Vorteile der Hybrid-Modelle aus dem Konzern. Insgesamt sechs (Yaris, Auris, Auris Touring Sports, Prius, Prius+, RAV4) und  ein Plug-In-Hybrid (Prius) befinden sich im Angebot. Sie sorgen für niedrige Betriebskosten, niedrige CO2-Werte oder auch geringere Versicherungssteuern. Zudem wurde Toyota zur weltweit „grünsten“ Marke gekürt. Denn seit 1997 konnten durch die Hybridfahrzeuge von Toyota/Lexus 58 Millionen Tonnen CO2 und 22 Milliarden Liter Treibstoff eingespart werden.

Ing. Gerhard Korpitsch von Toyota

 

EMILIA – Lösungen für den urbanen Bereich

Ein spannendes – und vor allem für die Zukunft wichtiges – Thema stellt die Logistik im urbanen Bereich für die Güterverteilung dar. Boschidar Ganev von AIT schilderte das Projekt EMILIA. Dieses ist dabei, innovative Logistikkonzepte und Planungsmethoden für die stetig wachsenden Städte in Europa zu entwickeln. Denn immerhin 75 % der Bevölkerung lebt bereits heute europaweit in Städten, 20 % des Gesamtverkehrs geht auf den Güterverkehr zurück und 11 % des emittierten CO2 in Österreich entfallen auf den Straßengüterverkehr. Nun sollen bestehende Fahrzeugkonzepte optimiert werden. Dazu wurde eine Online-Umfrage gestartet und ein Expertenforum gegründet. Die Fragestellung war zum Beispiel, wie die ideale Güterbeförderung aussehen soll. Das Ergebnis präsentierte sich recht einheitlich mit Forderungen nach der Nutzung von Synergien, Routenoptimierung, Fahrzeugauslastung, Einbindung öffentlicher Verkehrsmittel und einigen mehr. Die konkreten Ergebnisse dieses mit 2,65 Millionen Euro geförderten Projektes des Klima- und Energiefonds werden 2017 in einer sogenannten Demonstrationsphase präsentiert. Bis dahin erarbeitet ein Konsortium aus 15 führenden österreichischen Unternehmen urbane Lösungen für die Bereiche Paketdienst, Pharmalogistik und Nahrungsmittelzustellung. Mehr Informationen gibt es unter www.emilia-project.at.

Mag. Boschidar Ganev, MSc, Projektleiter im Geschäftsfeld Electric Drive Technologies, AIT – Austrian Institute of Technology

 

E-Mobilität in der Transportlogistik

Eine große logistische Herausforderung hat die Post AG zu bewältigen. „Es werden 630 Millionen adressierte und 3,3 Milliarden unadressierte Sendungen, eine Milliarde Briefe, 730 Millionen Zeitungen und 70 Millionen Pakete zugestellt“, so Mag. Alexander Casapiccola. Der Ressourcenbedarf ist hier klarerweise mit 15 Millionen Litern Treibstoff, 9.000 Fahrzeugen (inkl. Fahrrädern) oder auch 151 Millionen kWh an Energiebedarf sehr hoch. Deshalb startete das Unternehmen 2009 mit den Bemühungen, die CO2-Emissionen kontinuierlich zu reduzieren. Seit 2011 werden alle Zustellungen CO2-neutral zugestellt, in Wien wird dies 2016 sogar CO2-frei sein. Erreicht wird dies damit, dass dann ausschließlich Elektrofahrzeuge zum Einsatz kommen. Ziel ist es, in den nächsten drei Jahren alle Landeshauptstädte umgestellt zu haben. Bereits seit 2012 sind Elektrofahrzeuge im Einsatz, momentan befinden sich rund 1.100 Stück im Fuhrpark. Der sukzessive erweitert wird. Dazu zählen jedoch nicht nur Autos, sondern auch Scooter und Bikes. Übrigens: Bereits in den 50er- und 60er-Jahren war die Post elektrisch unterwegs, damals schon als Vorreiter.

Mag. Alexander Casapiccola, Leiter Personalsteuerung & Fuhrparkmanagement, Post AG
Bilder: WEKA/Peherstorfer  

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